Ein Tiroler Beamtengeschlecht

Dr. Manfred Schullern (1893-1959)
Dr. Manfred Schullern (1893-1959)

Dr. Manfred Ritter von Schullern zu Schrattenhofen

Manfred Ritter von Schullern zu Schrattenhofen wurde am 8. Juli 1893 in Wien-Margareten geboren. Er entstammte einer traditionsreichen Tiroler Beamten- und Gelehrtenfamilie; sein Vater war der Nationalökonom und Universitätsprofessor Hermann Ritter von Schullern zu Schrattenhofen, seine Mutter Theresina Manfredi. Schon diese Herkunft verweist auf ein Milieu, in dem Bildung, Staatsdienst und Standesbewußtsein eng miteinander verbunden waren.

Seine Ausbildung führte ihn vom Gymnasium in Innsbruck an die Infanteriekadettenschule; 1914 legte er die Matura ab und trat als Leutnant des 1. Tiroler Kaiserjägerregiments in den Ersten Weltkrieg ein. Die im Internet zugängliche biographische Überlieferung hält fest, daß er dreimal verwundet wurde. Spätestens 1918 erscheint er dann bereits als Garde-Oberleutnant der k. u. k. Leibgarde-Infanterie-Kompagnie und gehörte damit nicht mehr bloß einem Frontregiment, sondern einem besonders prestigeträchtigen Verband im unmittelbaren Hofbereich an.

Gerade diese Kombination macht sein militärisches Profil bemerkenswert. Der Österreichisch-kaiserliche Hofkalender 1918 nennt ihn ausdrücklich unter den Garde-Oberleutnants und verzeichnet bei ihm eine Reihe hochrangiger Auszeichnungen: das Militärverdienstkreuz III. Klasse mit der Kriegsdekoration und den Schwertern, die bronzenen Militär-Verdienstmedaille am Bande des Militärverdienstkreuzes mit den Schwertern, die Silberne Tapferkeitsmedaille I. Klasse, ferner das Karl-Truppenkreuz und das Marianerkreuz des Deutschen Ritter-Ordens. Diese Dekorationen zeigen, daß er kein bloßer Repräsentationsoffizier war, sondern ein Offizier mit nachgewiesener Frontbewährung, persönlicher Tapferkeit und hofdienstlicher Vertrauensstellung.

Nach dem Ende der Monarchie nahm sein Lebensweg eine neue Wendung. Laut der online publizierten biographischen Notiz rüstete er 1920 ab, studierte in Innsbruck Staatswissenschaften und wurde 1927 zum Dr. rer. pol. promoviert. Ein Innsbrucker Adreßbuch von 1940 führt ihn bereits als „Dr., Oberleutnant a. D., Post-Amtsrevident“; damit ist seine Stellung im zivilen Staatsdienst der Zwischenkriegszeit wenigstens punktuell sicher belegt. Aus dem Offizier der untergegangenen Monarchie war somit ein republikanischer Verwaltungsbeamter geworden.

Sein eigentliches späteres Wirkungsfeld wurde jedoch der österreichische Auswärtige Dienst. Ein österreichischer Amtskalender von 1948 nennt ihn als Konsul I. Klasse in Mailand, ein amtliches Verzeichnis von 1950 als Konsul I. Klasse in Rom. Rudolf Agstner weist ihn sodann für die Jahre 1953 bis 1954 als Leiter der österreichischen Verbindungsstelle zur Alliierten Militärregierung in Triest nach. Gerade darin liegt seine greifbare historische Leistung: Er gehörte zu jener Generation ehemaliger k. u. k. Offiziere, die nach 1918 und neuerlich nach 1945 nicht aus der Geschichte verschwanden, sondern ihre Erfahrung in den Dienst neuer staatlicher Formen stellten und an der Wiederherstellung der österreichischen Präsenz in Italien und im politisch sensiblen Raum Triest mitwirkten.

Will man also knapp beantworten, wer Manfred Schullern war und was er bewirkte, so lautet die treffendste Formulierung: Er war ein hochdekorierter Kaiserjäger- und Leibgardenoffizier, der nach dem Zusammenbruch der Monarchie den Übergang in die zivile Verwaltung und später in die Diplomatie vollzog. Seine Besonderheit liegt in dieser biographischen Spannweite: Frontoffizier, Gardist, Doktor der Staatswissenschaften, Verwaltungsbeamter und Diplomat – mithin eine Persönlichkeit, in der sich der Übergang von Altösterreich zur Zweiten Republik exemplarisch spiegelt. Einige weitergehende Einzelheiten seines späteren Lebens sind online vor allem über eine biographische Notiz greifbar, die sich nach eigener Angabe auf Akten des Außenministeriums stützt; für eine endgültige wissenschaftliche Ausarbeitung wäre daher zusätzlich ein Blick in den Personalakt wünschenswert.

Fußnoten

Erstbeleg:
Manfred Schullern-Schrattenhofen, in: Austria-Forum, AustriaWiki, s. v. „Manfred Schullern-Schrattenhofen“; Österreichisch-kaiserlicher Hofkalender für das Jahr 1918, Wien 1918, s. v. „K. und K. Leibgarde-Infanterie-Kompagnie“, hier die Garde-Oberleutnants; Rudolf Agstner, „Ciao Trieste – Ein Nachruf auf das Österreichische Generalkonsulat und die Außenhandelsstelle Triest“, in: Römische Historische Mitteilungen 46 (2004), 411–418, hier bes. 415–417.

Kurzbeleg:
AustriaWiki, s. v. Manfred Schullern-Schrattenhofen; Hofkalender 1918, Leibgarde-Infanterie-Kompagnie; Agstner, „Ciao Trieste“, 415–417.

Für die zivile Zwischenkriegs- und Diplomatenlaufbahn zusätzlich verwendbar:
Innsbrucker Adreßbuch 1940, s. v. „Schullern, Manfred, Dr., Oberleutnant a. D., Post-Amtsrevident“; Amtkalender für Österreich, Teil II, Wien 1948, Konsularämter, Italien, s. v. Mailand; Republik Österreich, Wien 1950, Konsularämter, s. v. Rom.

Wikipedia: Dr. Manfred Schullern-Schrattenhofen